Home _IT-Bereich _IT-Offshoring: Jobs wandern ein (12.11.2003)
Fuer die einen ein Schock, fuer die anderen Hoffnung. Lycos Europe, Arbeitgeber der Autorin von "60 Tage Jerewan", streicht zum Jahresende 2003 viele Stellen, unter anderem in den westeuropaeischen Entwicklungsabteilungen. Der Internet-Portalbetreiber verlagert Programmierprojekte in die armenische Tochtergesellschaft. Das Land, in dem viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, profitiert vom Trend zum "IT-Offshoring".Auch das deutsche Grossunternehmen SAP vergibt Programmieraufgaben beispielsweise an Mitarbeiter in Russland und Indien, berichtet das Handelsblatt am 2.9.2003. Hauptgrund: In Russland, Indien, aber auch China, Bulgarien oder eben Armenien verlangen Programmierer erheblich weniger Gehalt.
Darueber hinaus liefern sie oft sogar bessere Ergebnisse, heisst es im Handelsblatt: "Die in der Vergangenheit immer wieder vorgebrachten Argumente, die Qualität der Arbeit sei in Indien niedriger als in Deutschland, führt mittlerweile kein Manager mehr an."
Die Armenier sehen ihren hohen Bildungsstand als ihre grosse Staerke. "In frueheren Jahren war es die grosse Ausnahme, wenn jemand hier nicht studiert hat", meint Lycos-Softwareentwickler Artavazd. "Und Informatiker sind hier sehr vielseitig. Da es nur wenige freie Stellen gibt, versucht jeder, so viele Technologien wie moeglich zu lernen."
Daneben punktet Armenien mit - selbst im Vergleich zu anderen Niedriglohnlaendern - niedrigen Personalkosten. Nach einer Praesentation, die Yervand Sarkisyan von der armenischen Enterprise Incubator Foundation auf der IT-Messe Systems im Oktober 2003 gehalten hat, liegen die Jahresgehaelter in der IT-Industrie zwischen 2.400 und 6.000 Dollar.
Jeder zehnte Job in der amerikanischen Computer- und Softwareindustrie koennte bald in Billiglohnlaender wie Armenien abwandern, schaetzt das Forschungsinstituts Gartner. Dank moderner Technologien stellt die raeumliche Entfernung kaum noch ein Hindernis dar. Bei Lycos beispielsweise kommunizieren westeuropaeische Projektmanager und armenische Entwickler per Telefon, Instant Messenger und Videokonferenz.
Wenn es allerdings es um die Beduerfnisse der Kunden auf dem Heimatmarkt geht, um nationale Besonderheiten oder Gesetzesvorschriften, dann kommt ein Unternehmen nicht ohne einheimische Fachleute aus, betont Gerd Quittenbaum von der Mascot Systems GmbH im Interview mit der "Competence Site".
-> www.lycos.de -> http://www.lycos.de/inc/content/startseite/cc/IR/fnachrichten/20031110a.html
-> www.competence-site.de -> http://www.competence-site.de/offshore.nsf/72A937BFC559489EC1256C670040E76A/$File/e-interview_quittenbaum_mascot.pdf
-> www.bitkom.org -> http://www.bitkom.org/gbgateinvoker.cfm/22.10.zip?gbAction=gbFileDownload&ObjectID=06F143BF-676C-4CE4-A4CDAFF7DA0A68D9&DownloadObject=documents&index=3&cacheLevel=0
-> www.computerwoche.de -> http://www.computerwoche.de/index.cfm?pageid=256&artid=53959&type=detail&category=256
-> www.siliconarmenia.com -> http://www.siliconarmenia.comkommentar zu _it-offshoring: jobs wandern ein (20.1.2004)
Stefanie schreibt: Hallo Marco, darüber kann man sicherlich geteilter Ansicht sein. IT-Projekte in Ländern wie Armenien können durchaus erfolgreich sein, wie ja auch Meinungen von Experten zum Thema Offshoring in Osteuropa und meine eigenen Erfahrungen zeigen.
Natürlich hat man in Ländern mit einer noch instabilen Demokratie immer ein gewisses Risiko. Allerdings sind Offshoring-Projekte meist auch mit geringem Kapitaleinsatz verbunden - wenn die Lage schlechter wird, besteht immer noch die Chance, relativ schnell in ein anderes Land abzuwandern. Für Armenien wiederum ist das ein Nachteil, weil kapitalintensive Investitionen aus dem Ausland eben auch für ein wenig mehr politische Sicherheit sorgen können.
Viele Grüße,
Stefanie
hört sich an wie ein märchen aus 2050 (19.1.2004)
Marco schreibt: wer dort offshoring macht, der muss wohl ein absolutes Gottvertrauen mitbringen...ich jedenfalls glaub´ nicht daran
kommentar zu _it-offshoring: jobs wandern ein (15.1.2004)
Stefanie schreibt: Wie diese Nachricht bei pressetext.austria zeigt, wirbt Armenien zunehmend für seine Möglichkeiten im IT-Bereich.