Home _Wirtschaft Behörden: Wenn es im Getriebe klemmt (30.10.2003)
"30 Dollar", sagt der Mann am Flughafen Zwartnotz, als er ein 21-Tage-Touristenvisum in meinen Pass stempelt, und "Sorry, no change", als ich zwei 20 Dollar-Scheine aus meinem Brustbeutel krame. Todmuede nach der langen Nacht im Flugzeug drücke ich ihm schliesslich 30 Euro in die Hand. Der Beamte macht ein zufriedenes Gesicht: Nach derzeitigem Wechselkurs sind das immerhin 35 Dollar. Dass armenische Behörden mit Vorsicht zu geniessen sind, finden nicht nur Ausländer. "Ein Führerschein kostet bei uns nur 150 Dollar", erzählt mein Kollege Artavazd. "Aber wenn man beim Autofahren auf Polizisten trifft, wird es teuer - manchmal auch dann, wenn man gegen gar keine Regel verstoßen hat."
Sabrina Schmidt von der Deutschen Botschaft weist darauf hin, dass armenische Beamte wenig Geld verdienen und dieses auch noch unregelmäßig ausgezahlt bekommen. Allein die Lebensmittel, die ein Armenier statistisch gesehen jeden Monat brauche, seien doppelt so teuer wie das Durchschnittseinkommen im öffentlichen Dienst, heisst es in ihrem Bericht zur Wirtschaftslage 2001/02.
Zumindest bei den Polizisten sei das nicht der Grund für Offenheit gegenüber "kleinen Geschenken", widerspricht Artavazd. "Sie verdienen etwa 300 Dollar im Monat - manche Lehrer dagegen nur 20. Diese Leute haben im Moment einfach zu viel Macht".
Die Sache mit dem Visum ist noch nicht erledigt. Mein Touristenvisum ist schon fast abgelaufen, als ein Beamter des armenischen Innenministeriums endlich ein Business-Visum für zwei Monate in meinen Pass klebt. Drei über mehrere Wochen verteilte Behördenbesuche, gemeinsam mit meinen armenischen Kollegen Hrant und George, waren dafür notwendig. An der langen Schlange der anderen Antragssteller durften wir jedes Mal vorbeigehen. "Wenn man in Armenien die richtigen Leute kennt, hat man es leichter", sagt Hrant.
-> www.deutsch-armenische-gesellschaft.de -> http://www.deutsch-armenische-gesellschaft.de/dag/rbott.htm