60 Tage Jerewan


Armenien und seine Bewohner in Reportagen, Berichten und Bildern. Weblog einer Journalistin.

    





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Khachaturian, sein Land und die Liebe zur Klassik (10.12.2003)


vergrößernEin besonderer Tag für die Fans klassischer Musik. In Anzuegen, langen Kleidern, Jeans und Wildlederjacken drängen sie sich vor dem Eingang des Jerewaner Konzerthauses. Es sind längst nicht nur Ältere, die die Preisträger des Klavierwettbewerbs zum 100. Geburtstags des armenischen Komponisten Aram Khachaturian hören wollen.

Die Armenier sind stolz, dass Khachaturian den Stil westlicher Kompositionen mit armenischen Einfluessen verknüpfte und dadurch der traditionellen Musik des Landes zu Ruhm verhalf. Das erfahren Leser in einem Text auf der Website der armenischen Botschaft in Washington.

Der Komponist wurde 1903 als Sohn eines Buchbinders geboren. Die Familie war arm, aber kulturbegeistert. Die beiden älteren Brueder Khachaturians wurden Schauspieler. Der eine arbeitete in Moskau und nahm den musikbegeisterten Aram mit in die russische Hauptstadt, wo dieser sich zunächst fuer Biologie einschrieb.

Erst vier Jahre später, mit 23 Jahren, begann Aram Khachaturian ein Studium am Moskauer Konservatorium. Als Komponist schuf er Symphonien, Kammermusik und Klavierwerke. Auch seine Musik für Film, Theater und Ballett hat ihn bekannt gemacht.

Die Teilnehmer des Nachwuchswettbewerbs sind zumeist noch jünger als der Komponist zu Beginn seiner Laufbahn. Tanya Gabrielyan ist 20. Sie ist Amerikanerin, lebt in London, und ihre Namensendung "-yan" verrät ihre armenischen Wurzeln. Der mit 15.000 Dollar dotierte erste Preis gehört ihr. Gemeinsam mit dem Jerewaner Philharmonie-Orchester gibt die hochgewachsene dunkelhaarige Frau den krönenden Abschluss des Konzerts.

Der 20-jaehrige Georgier Mamikon Nakhapetov tritt ohne Orchester auf. Es ist schwer zu sagen, ob es am Hörerlebnis oder an seinen Bewegungen liegt, doch seine Musik reisst die Zuhörer mit - selbst diejenigen, die nicht viel von Klassik verstehen. Der Jury war dies ein dritter Preis wert. Das Publikum hat ihn zu seinem Favoriten gewählt.

Als sein Vorspiel endet, stürmen junge Mädchen mit Blumensträussen auf die Bühne. Schüchtern nimmt Nakhapetov Küsschen entgegen. Das Publikum ist enttäuscht, als sich der junge Künstler nicht wieder an den Flügel setzt, um die ersehnte Zugabe zu geben. Er lässt sich einfach auf seinen Stuhl neben den anderen Preisträgern fallen.

"Die meisten Armenier lieben Klassik", sagt mein Begleiter. "Viele Jugendliche studieren Musik". Doch viele von ihnen können es sich nicht mehr leisten, die Konzertsäle der Hauptstadt zu besuchen. Die hochkarätigen Konzerte sind in den letzten Jahren zum sozialen Ereignis der Oberschicht geworden, wie in anderen Metropolen der Welt. Unter den Gästen des Preisträgerkonzertes ist auch die Gattin des armenischen Praesidenten Robert Kotscharian. "Aber Musikliebhaber, die zwar kaum genug zu Essen haben, aber ihr letztes Geld für eine Konzertkarte ausgeben, gibt es immer noch."

-> www.armeniaemb.org -> http://www.armeniaemb.org/DiscoverArmenia/CultureArt/AramKhachatrian.htm
-> www.4music.net -> http://www.4music.net/khachaturian.html
-> www.apo.am -> http://www.apo.am/akhic/eng/?sub=rules

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